Grundschule "Kleine Birke"
Grundschule "Kleine Birke"

Lesepaten

Über die Hanseatische Bürgerstiftung engagieren sich derzeit 14 Lesepaten an der Grundschule Kleine Birke. Lesepaten sind ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger, welche sich Zeit nehmen um mit Kindern gemeinsam zu Lesen. Ziel ist es, das Interesse an Büchern und die Freude am Lesen zu stärken und Lesekompetenzen zu fördern. Derzeit nutzen 19 Kinder dieses Angebot und treffen sich einmal in der Woche für eine Schulstunde mit ihren Lesepaten.

 

Bericht eines Lesepaten:

 

Einer unserer Lesepaten (Herr Schmidt) war so freundlich über seine Tätigkeit an unserer Schule einen kleinen Bericht zu schreiben, so dass Sie einen kleinen Einblick in die Arbeit der Lesepaten gewinnen können:

 

"Aus heiterem Himmel kam die Bitte, ich möge einen Erfahrungsbericht über meine Lesepatenschaft schreiben. Gut. Und wozu? Als Teil der Bemühungen um  die „Gesunde Schule“! Gibt es denn wirklich zu dem Thema etwas zu berichten als die Tatsache, dass wir ein festes Ritual zu Stundenbeginn haben – das Essen eines Apfels? Doch, es gibt. Denn die vielfältigen Bemühungen im Rahmen der „Gesunden Schule“ sind ganzheitlich angelegt – es geht um das körperliche und das geistige Wohlergehen als zwei sich bedingende Seiten.

Lesedefizite resultieren aus einem ganzen Bündel sich bedingender Ursachen bis hin zu traumatischen Erfahrungen, die man erkennen muss, um ihnen zu begegnen. Beherrscht ein Kind die grundlegende Fertigkeit des Lesens viel schlechter als die Klassenkameraden, wird auch der Abstand in anderen Lernbereichen größer. Das spürt das Kind, es gerät in Isolation, das Verhältnis zu Schule und Schulumfeld wird gestört, also in der Summe kein geistiges Wohlergehen. Es geht für den Lesepaten demnach um mehr, als Textlesen routiniert einzuüben. Wir stehen also vor einer echten Herausforderung, andererseits wird es jetzt interessant und spannend. Stellen sich dann (auch kleine) Erfolge ein, wird es für alle Seiten richtig schön.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Patenschaft sind grundsätzlich gegeben:

  • Schule und Lesepaten werden von der Hanseatischen Bürgerstiftung bestens inhaltlich und organisatorisch betreut

  • Die Teilnahme ist freiwillig – Schule, Hort, Eltern, Kind und Lesepate haben gleiche Ziele. Wenn sich alle Beteiligten um eine gute Kooperation bemühen, ist schon eine weitere wichtige Voraussetzung gegeben. (In meinem ersten Jahr als Lesepate wurde die Zustimmung von Elternseite erteilt, aber nicht wirklich gewollt. Das negative Ergebnis war, dass zwar Kind und Pate die Zusammenarbeit an der weiterführenden Schule fortgesetzt hätten, aber nicht fortsetzen konnten.)

  • Eine ganz wichtige Voraussetzung ist, dass sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Patenkind und Lesepate einstellt. Hier ist der Erwachsene in der Verantwortung.

Hilfreich: das ganz bewusst gewählte 1:1-Prinzip. Das Kind freut sich darüber, dass sich ein Erwachsener ein, zwei Stunden nur um das Patenkind kümmert. Darauf lässt sich aufbauen!

Mein erstes Jahr als Lesepate war geprägt von der eigenen Auseinandersetzung mit der Aufgabe und von vielen Experimenten. Nach 1,5 Jahren neuer Patenschaft kann ich über einige Vorgehensweisen berichten, die uns auf den richtigen Weg gebracht haben.

Alles begann mit einer mutigen Entscheidung. Mein Wunsch, ein Mädel mit Migrationshintergrund, wurde erfüllt. Die Eltern kommen aus zwei sehr unterschiedlichen Ländern, das Kind hat sehr bewusst in beiden Kulturen gelebt. Es wird von der Schule als sehr schüchtern und kaum kontakthabend eingeschätzt.

Und wieder die Frage: Was will ich?

Antwort: Entwicklung des Selbstbewusstseins, der Neugier und Aufgeschlossenheit, des Vermögens Vertrauen an fassen und selbst aufzubauen.

Das Mittel und ein Ziel zugleich: Sprach- und Lesekompetenz stärken. Ein Grundsatz: Das Kind wird immer als Persönlichkeit ernst genommen und seine Wurzeln respektiert.

Nun wird es schon konkreter:

Wir besetzten den Raum, in dem Migrantenkinder Zusatzunterricht haben. Es gibt eine Fülle von Lehr- Anschauungs- und Spielmaterialien. Dazu gibt es viele methodische Hilfen – z. B. stellte mir die Schule den Mindestwortschatz zur Verfügung. Also alles kein Problem mit der Vorbereitung, ich habe meine Texte und meine Themen. Nun erlebe ich aber oft, dass sich aus einem Text nach kurzer Zeit ein ganz neues und scheinbar anderes Thema ergibt, worüber wird dann sprechen. Also, Stundenziel nicht erreicht? Nein, genau das Gegenteil ist erreicht. Denn es handelt sich um Sachverhalte über die man sprechen muss!

Wenn wir über einen schlimmen Traum sprechen oder über schöne Erlebnisse in der Heimat, wenn ich von meinem 11 Jahre alten Patenkind gefragt werde, warum die Deutschem im letzten Weltkrieg so eine schlimme Rolle gespielt haben, dann muss ich mich auf den Pfad einlassen, der meine geplante Stunde ganz anders verlaufen lässt.

Die Freiheit auf solche Dingte reagieren zu können (und auch mal selbst zu provozieren) sind ein Geheimnis für einen erfolgreichen Umgang zwischen Pate und Patenkind.

Jeder Lesepate wird nun die Tätigkeiten finden, die für das Kind und für ihn angemessen sind. Viele Wege führen nach Rom und gerade wir haben Methodenfreiheit.

Was machen wir also –

  • Lesen, darüber sprechen

  • Lesen im digitalen Lexikon, wenn wir etwas wissen wollen

  • Sprachspiele (es gibt viele)

  • Sprechtechnik

  • Bewegungsübungen wie im Darstelleden Spiel

  • Schularbeiten: bei Mathe Textaufgaben bin ich eine Hilfe, aber sonst?

  • Kurzvortrag üben. Inhalt, Sprache (laut, langsam, deutlich, Kontakt zum Zuhörer)

  • meine Fragen zur Bedienung des Handys werden beantwortet

  • wie nebenbei entstehen Zeichnungen, die ich nach Hause bekomme

  • wir essen unseren Apfel – es wird sogar gesungen

Die Kür besteht aus: Besuchen der Kunsthalle, Drachensteigen am Strand, Spielen und Handwerkeln im Garten, gemeinsam ein Bild malen, Weihnachtsmarkt. Hilfe und Beratung der Eltern.

Das Ergebnis: Bei der Darstellung der positiven Ergebnisse sollte man im pädagogischen Bereich recht vorsichtig sein. Es wird gesagt, dass sich mein Lesepatenkind gut entwickelt habe. Auf jeden Fall erlebe ich keine Schüchternheit mehr – aber Freude, Humor und Ausgelassenheit.

Und immer weniger das traurige Zurückziehen in sich selbst."

Dieter Schmidt, fast 74, Lesepate im 3. Jahr an der Grundschule „Kleine Birke“ in Lütten-Klein

 

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Kopenhagener Str. 3
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